12.03.08 - 188
Gendoping: Science fiction oder Realität?
AG Sport
Werden sich Sportler demnächst im Genlabor auf ihre Wettkämpfe vorbereiten? Während man noch die Bekämpfung des Dopings mit konventionellen Methoden im Sport diskutiert, wird schon seit langer Zeit vermutet, dass Gendoping als nächste Stufe der unerlaubten Leistungsmanipulation nicht mehr lange auf sich warten lässt.
Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit dieser Problematik auch auf parlamentarischer Ebene ist unverzichtbar. Auf Vorschlag des Sportausschusses wurde deshalb durch den Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung das Büro für Technikfolgenabschätzung (TAB) mit einer Untersuchung zum Thema Gendoping beauftragt.
Der nun vorgelegte Bericht macht deutlich, dass politischer Handlungsbedarf besteht. Schon jetzt zeigt sich die Gefährlichkeit des Gendopings als neue Variante des Doping-Betrugs mit neuen und extrem riskanten Mitteln. Dies ist Grund genug, frühzeitig wirksame Maßnahmen zu entwickeln.
Bei der Analyse hat sich das TAB an der Definition der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) orientiert. Demnach bedeutet Gendoping nicht allein den Missbrauch gen- und zelltherapeutischer Strategien im engeren Sinne, sondern auch die Beeinflussung der Genaktivität mit anderen Methoden.
Fortschritte in der modernen Medizin haben in den vergangenen Jahren zu intensiven Forschungsanstrengungen auf dem Gebiet der Gentherapie geführt. Ziel ist die Behandlung von Krankheiten. Doch je genauer Forscher das System Mensch verstehen, je mehr Kenntnisse über die Funktion von Genen und Zellen erlangt werden, desto größer wird die Gefahr, diese Kenntnisse zur Leistungssteigerung eines gesunden Menschen zu missbrauchen. Zudem wird die Nachweisbarkeit der Manipulation immer schwieriger.
Auch wenn sich Gentherapie überwiegend im Anfangsstadium befindet und darüber hinaus gesundheitliche Risiken eines Missbrauchs in keiner Weise abgeschätzt werden können, muss aufgrund der bisherigen Dopingpraktiken vermutet werden, dass diese Risiken keine Hürde für die Anwendung von Gendoping darstellen.
Der TAB-Bericht liefert wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über den derzeitigen Stand und die Perspektiven im Bereich Gendoping. Darüber hinaus werden allen beteiligten Akteuren Handlungsoptionen an die Hand gegeben:
- Um einem Missbrauch der Forschung der Lebenswissenschaften durch Gendoping vorzubeugen, ist eine kontinuierliche und vorausschauende Beobachtung der Entwicklungsvorhaben notwendig, insbesondere der Entwicklungsbereiche mit hoher Relevanz für Gendoping.
- Bezüglich des Nachweises besteht Forschungs- und Entwicklungsbedarf. Die Entwicklung eines Monitoringkonzeptes, das Hinweise auf Manipulationen beim Sportler liefern könnte, wäre von Vorteil. Hierbei besteht neben dem fachlichen auch der rechtliche Klärungsbedarf hinsichtlich des Daten- und Persönlichkeitsschutzes.
- Neben der Weiterentwicklung der Kontroll- und Sanktionsstrukturen sollten zeitgleich Informations- und Aufklärungskampagnen entwickelt werden. Sowohl der Sportler als auch sein Umfeld sollte insbesondere über die gesundheitlichen Risiken des Gendopings informiert werden.
- Im Anti-Doping Regelwerk der WADA und der NADA ist Gendoping zwar erfasst, die Einhaltung dieser Regeln wird in der öffentlichen Sportförderung von den Zuwendungsempfängern gefordert. Im Hinblick auf Gendoping muss jedoch darüber nachgedacht werden, inwieweit diese Forderungen strenger gehandhabt werden können.
- Das "Gesetz zur Verbesserung der Bekämpfung des Dopings im Sport" war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Es ist zu überprüfen, inwieweit hier bezüglich der Entwicklung durch Gendoping nachgebessert werden muss.
- Gendoping könnte nicht nur im Bereich Sport ein Thema sein, sondern auch im alltäglichen Leben, wenn es um die körperliche und psychische Leistungsmanipulation geht. Auch diese Entwicklung sollte beobachtet werden.